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Samstag, 7. Dezember 2013

Wenn Menschenleben Brauchtum nachgereiht wird

"Das war kein Krampus, sondern ein Sadist"

Kommentar zu oa. Beitrag

Ich kann mich noch gut an einen alten ORF-Beitrag aus den 1970ern erinnern, in dem man dieses „Brauchtum“ vorstellte. Krampusse wurden in die Stube gelassen, die Kinder hatten Todesangst und weinten zum Gaudium der Erwachsenen.

Keine Kritik aus der Bevölkerung war zu vernehmen – weil, ja weil es ja „immer schon a so woa.“ Hätte man einen Hund derart in Panik versetzt, wäre wohl ein lauter Aufschrei in allen Medien zu vernehmen gewesen.

Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, als der von mir sehr geschätzte Verhaltensforscher Otto König in Matrei i. O. anlässlich einer solchen Veranstaltung verletzt wurde und man das lachend und stolz weiter erzählte - als ob man auf eine Körperverletzung an einem alten Mann stolz sein könnte. 


Wenn die Gesundheit oder gar Menschenleben einem Brauchtum nachgereiht werden, dann sagt das einiges über die Akteure aus und wenn selbst nach diesem Vorfall das Brauchtum noch immer wichtiger ist, als das Überleben eines Menschen und man lautstark versucht es zu verteidigen, anstatt einfach einmal aus Pietät das Maul zu halten, dann frage ich mich ernsthaft, ob diese Menschen noch geistig zurechnungsfähig sind.

Dienstag, 30. April 2013

Tiroler Landtagswahl 2013


Seltsam ist es schon, da regiert eine Partei in diesem Land Tirol seit Jahrzehnten und gerade in der letzten Zeit werden Skandale dieser Partei nach und nach aufgedeckt, unter anderem durch enormes Engagement des ausgesprochen mutigen Publizisten Markus Wilhelm, der diese Skandale auf seinem Blog dietiwag.org veröffentlicht und was ist die Konsequenz?

Keine schwindligen Cross-Border-Geschäfte der TIWAG, keine fragwürdigen Jagdeinladungen, kein Versagen der Landesbank, ja nicht einmal erbärmlich peinliche Landtagsreden von Abgeordneten dieser Partei vermögen es, diese Partei zu erschüttern.

Wehe es wäre eine andere Partei gewesen, die sich derart viel Schuld aufgeladen hätte, Hohn, Häme und Spott lägen an der Tagesordnung.


Ein kaum merkbarer Kratzer, das war alles, dafür wurde der Koalitionspartner abgestraft – und als „Ministrant“, als „Steigbügelhalter“ beschimpft. Egal für welchen Koalitionspartner sich die ÖVP dermal entscheidet, es wird jedem so ergehen und ihm die Aufgabe des Sündenbocks zugteilt werden.

Warum ist es so, wie es ist?

Ich weiß es nicht, ich ahne nur.

Unterhält man sich mit offensichtlich ÖVP-affinen Personen, so stellt man fest, dass Kritik an der eigenen Partei unangebracht ist. Selbst der Hinweis auf Skandale werden abgetan, man will nichts von dem wissen.


In Tirol herrscht ein Familienkult und was der Vater und die Mutter, Großvater, Großmutter gewählt haben, wählt auch das Kind. Die ÖVP ist nicht irgend eine Partei mit politischen Hintergrund, sondern ein Kult, eine Religion, ein Dogma, eine sizilianische Familie, die man nicht verrät  - vergleichbar mit einem Fußballverein. Man jubelt, wenn er gewinnt, der Rest, der Inhalt ist egal. Jede Form von Kritik ist Blasphemie.

Anderswähler sind Ausgestoßene, Unberührbare, Exoten und manchmal auch, wie ich dies selbst in natura vernehmen musste „Schweine“ oder „Focken“ (=Ferkel).

Dieser Umstand gewährt der ÖVP Narrenfreiheit, die Stammwähler - und das sind viele - werden stets ihr treu bleiben, unabhängig was sie sonst noch "anstellt".

Die Koalitionspartei agiert als Sündenbock, der für die Vergehen ihres Partners einzustehen hat und diesen somit reinwäscht.

Somit wäre eigentlich jeder Partei abzuraten, sich mit einer Koalition mit der ÖVP einzulassen – man wird nur verlieren. Einerseits.


Andererseits der Umstand, dass eine Partei derart lang an der Macht steht, ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich.

Es werden Netzwerke und Seilschaften gebildet, die für das demokratische Verständnis nicht gesund sein können. Seilschaften in die man keinen Einblick hat und gegen die man nur mehr sehr schwer ankommt, und irgendwann gehören ihnen die Medien – das war es dann.

Vielleicht hat hier der Koalitionspartner die bessere Möglichkeit seinem Partner auf die Finger zu schauen. Obendrein würde man verweigernden Parteien vorwerfen, dass sie keine Regierungsverantwortung übernehmen möchten.

Als Dank dafür, gibt es das nächste Mal Stimmenverlust – wie man es macht – es wird immer falsch sein –

- die Erbsünde lässt grüßen.


30 / 04 / 2013



Einen hab’ ich noch.

Den Faktor, der eventuell auch eine Ursache des oben genannten Umstandes sein könnte, nämlich den des Opportunismus, welchen ich übersah.

Er fiel mir ein, als ich mich an eine ÖVP-Wählerin erinnerte, die mir freudestrahlend erklärte, „mir (=wir) haben gewonnen“. Das wäre ja nicht so ungewöhnlich, interessant aber ist, dass diese Dame sich eigentlich gar nicht für Politik interessiert – in keiner Weise – überhaupt nicht, bis auf das:  „mir haben gewonnen.“

Dies ließ in mir den leisen Verdacht keimen, dass manche deshalb schwarz wählten und weiterhin wählen werden, weil sie nicht verlieren und sich zu den Siegern zählen möchten – vergleichbar mit kleinen Kindern, die den Tyrannosaurus Rex präferieren – weil dieser alle anderen auffrisst … oder so. 

Vielleicht fallen mir noch ein paar Beweggründe ein, die dieses Phänomen erklären könnten.

01 / 05 / 2013

Samstag, 24. November 2012

Argumente pro Wehrpflicht ... oder nicht?


Nachdem ich nun doch einige hunderte Kommentare in den diversen Online-Zeitungen gelesen und Radiojournalen gehört habe, haben sich ein paar fiktive Charaktere herauskristallisiert, die pro Wehrpflicht stimmen:
 
1.           Mutter, deren Sohn bald zum Bundesheer gehen muss, votiert für die Wehrpflicht, weil das Bundesheer ihren Sohn endlich mal Ordnung und Disziplin beibringt, ihr gelang es nicht.
2.           Vater, der Sorge hat, dass sein Sohn homosexuell wird und sich deshalb lautstark für die Wehrpflicht einsetzt und argumentiert mit Pflichterfüllung und dass die noch niemanden geschadet hat.
 
3.           Junges Mädchen, deren Freund beim Bundesheer ist und sie es deshalb für voll cool hält.
 
4.           Dame im mittleren Alter, die dem Zauber der Montur erlegen ist und sich deshalb für das Bundesheer oder Wehrpflicht oder so einsetzt, so genau weiß sie das nicht.
 
5.           Älterer Herr, Altnazi, der Zivildiener stets als Weicheier und als feige in den diversen Internetforen beschimpfte und nur Soldaten als richtige Männer anerkannte, jetzt aber bemerkt, dass er vielleicht einmal Pflegehilfe benötigt und er dann doch einen billigen Zivildiener braucht und deshalb argumentiert er es mit der vaterländischen Verpflichtung dem Land zu dienen.
 
6.           Der Metzger, weil er durch seine Verkäufe an die Kaserne gut lebt.
 
7.           Der Bäcker, weil er durch seine Verkäufe an die Kaserne gut lebt.
 
8.           Der Lokal-Politiker, der den Bäcker und Metzger unterstützt, um wieder vom Metzger und Bäcker gewählt zu werden und deshalb öffentlich von den Werten der österreichischen Neutralität spricht, die es gilt zu erhalten, wenn die Kaserne in der Stadtgemeinde verbleibt.
 
9.           Der Waffenhändler und der Industrielle, der das Heer mit „Berufsbekleidung“ für Rekruten beliefert. Sie machen sich naturgemäß Sorgen um ihre Geschäfte.
 
10.       Der Bundespolitiker, der den Waffenhändler und den Industriellen persönlich kennt und auf der Jacht des Industriellen schon mal mitsamt Gattin eingeladen war und im Radio an das Volk appelliert für die  Sicherheit und Neutralität von Österreich zu votieren.
 
11.       Das ältere Ehepaar, das gerne Radio hört und findet, dass die Sicherheit von Österreich in Gefahr ist, bei Abschaffung der Wehrpflicht.
 
12.       Der Politiker, der grundsätzlich das behauptet, was ihm der Clubzwang vorschreibt.
 
13.       Der Offizier, der sich seiner Macht beraubt fühlt, wenn ihm diejenigen abhanden kommen, die ihm von Staatswegen unterstellt waren.
 
14.       Der Offizier, der Sorge trägt, dass ihm sein VW Touareg als Dienstfahrzeug abhanden kommt.
 
15.       Der Offizier der sich Sorge macht, dass „Ausbildungszentren“ geschlossen werden und er somit auf sein günstiges Urlaubsziel verzichten muss.  
 
16.       Der Ausbildner, der befürchtet, eventuell jene Arbeiten verrichten muss, die zuvor die Rekruten vollzogen haben.
 
17.       Der 25jährige, der auch die Wehrpflicht absolvierte und nun nicht einsieht, dass andere davon entbunden werden.
 
18.       Der 17jährige, der ein Fan von allem Militärischen ist und daher für alles Militärische votiert, er sieht seine Karriere beim Militär, weil Schule ist nicht seines. Am liebsten mag er Actionfilme.
 
19.       Der Motocross-Sportler und der Sportfischer, die vom Heer gesponsert werden, im Namen der Landesverteidigung.
 
20.       Die Eltern des Motocross-Sportlers und des Sportfischers, die sehr stolz auf ihre sportlichen Söhne sind.
 
21.       Der Kitzbühler Hotelier, der auf die überaus günstigen Helfer beim Hahnenkammrennen nicht verzichten will.
  
Vollständigkeit kann nicht garantiert werden.

Samstag, 4. August 2012

Lobeshymne auf die Brutalität im Standard

Wer glaubt in unseren modernen Zeiten hätten wir so etwas wie Humanismus erreicht, der irrt. Irgendwie leben wir biologisch noch immer in einer primitiven Affenherde, in der der Brutalste recht hat, zumindest scheint es so zu sein, wenn man zufällig auf Berichte des Standards stößt:

Selbst Schreiber von österreichischen Tageszeitungen agieren noch wie geistig zurückgebliebene vorpubertäre Minderjährige, die sich an Gewalt und Brutalität ergötzen.

Ich übertreibe? Nein. Nicht wirklich hier ein Beispiel, bei einer "Sportbeschreibung" Wasserball:

"London - Wasserball, wurscht ob Frauen oder Männer, ist ein Geheimtipp für alle, die es besonders brutal mögen. Diesbezügliche Novizen sollten sich das noch bis 12. August laufende Turnier in der Water Polo Arena des Olympiaparks geben. Es zahlt sich aus."

Und weiter geht es mit dem Niedermachen derjenigen, die sich gegen Gewalt aussprechen:

"Also neigen Wasserballer und Wasserballerinnen zu solch Drastischem, dass man verbalpolitisch eher korrekte Zimperlieschen und -seppeln jetzt zum Weglesen auffordern muss: Eiertreten, weiberlicherseits Nippeldrehen. Der Schlag in die Magengrube zählt eher schon zum Wettkampfalltag."



Und weiter geht es mit seiner Lobeshymne.

Wehtun, ziemlich wehtun ist jedenfalls Programm.  
Es setzte Tritte, Schläge, Drehgriffe genau dort, wo der Schmerz zu sitzen pflegt. Aber, so Boskovic, "Wasserball ist eben kein Ballett".




Und nun die Pointe:

Nachdem ich die geistige Fähigkeit des Redakteurs in Frage stellte, indem ich ihn als Trottel titulierte wurde das Posting nicht veröffentlicht. Warum eigentlich?

Zugegeben, normalerweise ist das nicht die feine englische Art und auch nicht die meine Art, aber jemand der von Gewalt und Brutalität schwärmt wie dieser Redakteur vom Standard, der müsste doch Nehmerqualitäten besitzen.

Mitnichten. Das Posting wurde nicht veröffentlicht.