Freitag, 21. November 2014

Oh, Du, Oh Heiliges Facebook, taufe mich!

Oh, Du, Oh Heiliges Facebook, taufe mich!


Mein Name ist Oitzinger, Lambert Oitzinger.

Zugegeben, zugegeben, Lambert ist nicht gerade ein geläufiger Name. HerBert, HuBert, NorBert, ja sogar SiegBert sind geläufiger und von Oitzinger ganz zu schweigen.

Nichts desto trotz, ich war bei der Wahl nicht unmittelbar beteiligt und so werde ich das schicksalhafte Tragen meines Namens weiterhin mit stoischem Gleichmut hinnehmen.

Um meinen Namen mache ich keinen Hehl, als Leserbriefschreiber kommt man ohnehin nicht umhin. Ich bin sowieso ein Verfechter der Realnamen im Internet, da ich glaube, dass dadurch die Kommunkation etwas höflicher und freundlicher wird. So spricht mir eigentlich Facebook aus der Seele, wenn es meint, dass man mit Realnamen posten soll.

Dumm nur, dass Facebook findet, dass mein Realname nicht real wäre und mir schreibt:

„Aktualisiere Deinen Namen! Dein Konto wurde vorübergehend gesperrt, weil es scheint, dass du nicht deinen richtigen Namen verwendest. Facebook ist eine Gemeinschaft, in der Nutzer ihre wahren Identitäten verwenden. Alle Nutzer müssen ihren vollständigen Namen angeben, damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest.

Mach dir keine Sorgen. Du wirst wieder Zugang zu deinem Konto erhalten, wenn du deine Chronik mit deinem vollständigen, richtigen Namen aktualisierst. Wenn Du einen Spitznamen verwendest, kann du ihn als alternativen Namen wieder deiner Chronik hinzufügen.“

Hmmm? Tja, was sagt man drauf? 

Na dann: Los geht’s. Ich tippe noch immer meinen richtigen Namen erneut ein, aber Facebook ist stur und will meinen schönen Namen „Lambert Oitzinger“ nicht mehr akzeptieren und meint:





„Dein Name wurde nicht genehmigt.

Leider wurde der von dir eingegebene Name nicht durch unser System genehmigt. Bitte warte 1 Minute einen Moment, und versuche es dann erneut.

Bitte lies während der Wartezeit unsere Namensrichtlinie durch. Wenn dein Name nicht zugelassen wird, könnte dein Konto weiterhin gesperrt bleiben.“


  
So, so. Ich besitze offenbar einen „verbotenen Namen“, was meinem bisherigen bescheidenen, faden Namen eine bis dato noch nie dagewesene Coolness verleiht.

Nun, ich versuche es noch einmal und stets erhalte ich die gleiche Antwort.

Ich meine ein gleißendes Licht am Ende des virtuellen Tunnels zu erkennen und bereite mich auf meinen Cyber-Tod vor, nach kurzem Überdenken bin ich mir sicher, dass ich bestimmt in den Cyber-Himmel komme, da ich mich im Internet stets sehr brav aufgeführt habe, abgesehen, von den paar schlechten Filmen, die ich gedreht habe, aber ich frage Sie: Wer macht nicht solche Fehler?

Hmmm? Ich könnte mir einen Phantasienamen ausdenken. „Mister L“ oder „Herr K“, „Facebookterminator“, die würde Facebook sicherlich akzeptieren.

Ich lege mein Smartphone beiseite, setze mich vor dem Laptop und versuche es erneut.


Doch auch der vom Laptop versandte voll echte Name „Lambert Oitzinger“ wird noch immer nicht akzeptiert, jetzt wollen sie einen Ausweis.


Nachdem ich die von Facebook herausgegebenen Ausweis-Richtlinien sorgfältig gelesen habe – man hat ja sonst nichts zu tun – lade ich entnervt meinen eingescannten Führerschein empor.

Facebook bedankt sich artig mit


„Danke. Du so solltest bald eine E-Mail von uns erhalten. Danke für deine Geduld!




Bitte gern geschehen.

Tja und tatsächlich erhalte ich eine E-Mail mit nachstehendem Inhalt:

Hallo,

Facebook ist eine Gemeinschaft, in der Nutzer ihre authentischen Identitäten verwenden. Es ist erforderlich, dass alle Personen ihren echten Vor- und Nachnamen und ihr echtes Geburtsdatum angeben, damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest. Dein Konto ist vorübergehend gesperrt, weil dein Profil nicht deinen echten Namen enthält.

Zur Reaktivierung dieses Kontos antworte bitte auf diese E-Mail mit deinem echten Namen (wie er auf einem amtlichen Ausweis wie einem Pass oder Führerschein aufgeführt ist). Sobald wir deinen echten Namen kennen, können wir dein Profil aktualisieren und dein Konto reaktivieren.

Dein Name darf Folgendes nicht enthalten:
 
- Symbole, Nummern, ungewöhnliche Großschreibung oder Satzzeichensetzung
- Zeichen von verschiedenen Sprachen
- Berufliche oder religiöse Titel

Zudem gelten folgende Richtlinien:
 
- Spitznamen können als Vor- oder Zweitname verwendet werden, wenn es sich dabei um eine Variante deines echten Vor-, Zweit- oder Nachnamens handelt (wie Steffi anstelle von Stefanie).
- Du kannst jederzeit einen anderen Namen in deinem Konto angeben:
 
 
- Es sollte nur der Name einer einzigen Person in dem Konto angegeben werden Profile sind ausschließlich zur Nutzung durch Individuen bestimmt
- Die Nachahmung von Gegenständen oder Personen ist nicht gestattet.

Falls du feststellen solltest, dass das Profil einer anderen Person einen Namen enthält, der gegen unsere Richtlinien verstößt, melde dieses bitte mithilfe des Diese Person melden/blockieren“-Links, der sich in dem Profil der Person befindet.

Beachte, dass wir dein Konto nur dann reaktivieren können, wenn du mit deinem echten Namen auf diese E-Mail antwortest. Wenn wir dein Konto mit deinem echten Namen aktualisiert haben, kannst du außerdem den Namen in deinem Konto nicht ändern. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten.

Weitere Informationen zu unseren Namensrichtlinien findest du unter:


Mit freundlichen Grüßen
Das Facebook-Team


Ja, klar. Ich kenn ja schon Eure Regeln, - die müsst Ihr mir nicht dauernd vorschwafeln, als ob ich ein geisteskranker Hund wäre, klar antworte ich Euch. 

Nun, dann … dann … WERDE ICH,

L A M B E R T    O I T Z I N G E R,

EUCH FACEBOOK-TROTTELN … ruhig bleiben … Lambert … ruhig bleiben … eine

ANTWORT
SENDEN:

Werte Damen und Herren von Facebook,

jetzt habe ich unzählige Male meinen richtigen (!) Namen, nämlich "Lambert Oitzinger" eingegeben und dieser wird nicht akzeptiert. Dieser Name steht im Telefonbuch.

Ich habe Euch meinen Führerschein zugesandt, aber das ist Euch auch noch zuwenig - soll ich auf diese E-Mail spucken, damit Ihr meine DNA auch noch kennt?

Oder soll ich auf das Standesamt hüpfen und mich umbenennen, welcher Name wäre Euch denn recht?


Wenn Ihr mich nicht freischaltet, dann ist mir das auch sch ... sehr egal und ich gehe zu Google+, die werden wohl nicht solche Idioten beschäftigt haben.

Mit unfreundlichen Grüßen
LAMBERT OITZINGER


Na ja, ich bin eh relativ freundlich geblieben, nicht auszudenken, wenn ich diese E-Mail anonym geschrieben hätte.

Und jetzt werde ich mal die facebook-freie Zeit genießen … oh, was ist das an meinem Schreibtisch. Ein Fenster?



Lambert Oitzinger
Freitag, den 21. November 2014

L wie Lambert
a wie ambert
m wie mbert
b wie bert
e wie ert
r wie rt und
t wie t.


Montag, 17. November 2014

Wenn Menschen jubeln, wenn jemand halbtot oder tot geschlagen

Wenn Menschen jubeln, wenn jemand halbtot oder tot geschlagen wird, nennt man das Sport - denn im Krieg ist man doch nicht so grausam.




Als moderner Humanist erstaunt es mich nach wie vor mit welch einer Selbstverständlichkeit auch im 21. Jahrhundert ein Mensch krankenhausreif, halbtot (Abdusalamow) bis ganz tot (Becky Zerlentes) geschlagen werden darf, solange nur das Spectaculum mit dem Etikett „Sport“ versehen wird.

Schon vor mehr 20 Jahren war ich ob der Verlogenheit der Gesellschaft, wie auch der Medien, der Empathielosigkeit der Akteure, Voyeure, aber insbesondere der Journalisten baff erstaunt. Wie Zombies tippen sie das Geschehene in ihre Textprogramme, kein Hinterfragen der Würde des Menschen, der Ethik, der political correctness, im Gegenteil der Autor des Artikels verspottet einen Menschen mit Gehirnerschütterung noch und spricht von „peinlichen Sätzen“.

Was wäre wohl, wenn ein Journalist sich über einen Menschen, der bei einem Autounfall eine Gehirnerschütterung erlitten hätte, derart äußert? Mokiert sich dieser auch über seine Mutter, wenn sie an Demenz erkrankt ist, wegen ihrer Vergesslichkeit?

Brutalität, Gewaltverherrlichung und Zynismus par excellence, in real und nicht als digitale Schöpfung. Zwar betrachte ich Tageszeitungen grundsätzlich nicht als Instanzen von Moral, nichts desto trotz, tragen sie als „Meinungsmacher“ doch eine gewisse Form von Verantwortung.

Solange Gewalt derart medial verehrt wird, sollten wir uns nicht wegen der Gefühlskälte der Gesellschaft wundern.


Der Boxer Klitschko meinte „Ich wünsche immer, dass der Sportler nach dem Kampf gesund ist", sagte Klitschko -  "Aber das ist halt Sport." (Standard).

Sonderlich geistreich, ist diese Aussage nicht und könnte abgekürzt werden mit, es ist, weil es ist.

Wir leben im 21. Jahrhundert, wir haben gelernt, dass Juden nicht unsere Brunnen vergiften, wir wissen, dass Homosexualität nicht ansteckend ist, wir lernen gerade, dass man vielleicht auch Frauen in der Bundeshymne erwähnen darf, abgesehen von einem Volksjodler, wir schaffen es zu verstehen, dass unter "Schülerinnen" auch Personen männlichen Geschlechts mitgemeint sind, dass Menschen anderer Hautfarbe keine Untermenschen sind, dass man Kinder nicht schlägt und Menschen keine Ware sind und dass man Tiere nicht quält oder füttert und zum Gaudium erschießt.

Na ja, ziemlich wahllos und unsortiert aufgezählt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber es wäre nicht schlecht, wenn wir auch "Gewaltlosigkeit im Sport" auf die To-Do-List setzen sollte, denn Sport ist kein Paralleluniversum - völlig los gelöst von dieser Welt.

Montag, 17. November 2014