Samstag, 21. Mai 2016

Die österreichische Seele



Meinen Freunden muss ich es nicht erklären und meine Feinde hören nicht auf mich, also schreibe ich es für mich darnieder – einige Gedankensprünge - die ich mir von meiner österreichischen Seele schreibe:

Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich es bei Ringel oder Frankl las und durchstöberte in meinem jetzigen Urlaub einige Bücher und unabhängig vom Gesuchten, stieß ich bei Erwin Ringels „Die österreichische Seele“ (1984) auf folgende Passage gleich im ersten Kapitel „Eine neue Rede über Österreich“:

[…] „Der Österreicher ist durch nichts so leicht zu fangen, als wenn man ihm sagt: ‚Du bist ein ungerecht Behandelter, ein Getretener und Unterdrückter, ich aber werde kommen und dich aus dieser Not und aus diesem Elend befreiten!‘ Da fühlen sich alle mit einem Male angesprochen, weil sie dieses Gefühl seit der Kindheit – bewußt oder unbewußt – mit sich schleppen. […]

Ohne weiter zu lesen, weiß man, welche Rattenfänger Ringel damit gemeint hat und es fallen immer wieder die Menschen darauf rein und ich fürchte dermal wird es wieder geschehen.

Ich bin zu müde zu erklären, weshalb Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus falsch sind … im Prinzip läuft es eh immer auf das Gleiche hinaus, man erhebt und erhöht sich über andere Menschen und glaubt man sei etwas Besseres und vice versa alle anderen seien etwas Minderwertiges auf Grund deren Religion, deren Hautfarbe oder deren Geburtsort … und sie dienen als Sündenböcke für alles.

Und dann gibt es diese Partei, die sich dieses Stils bedient, die doch immer wieder gerne mit dem Nationalsozialismus kokettiert – im Graubereich der Legalität, mehr oder weniger distanziert sie sich davon, gerade so wie man es gerade braucht. Wirft man dies ihr vor, so wird man beschuldigt „die Nazikeule“ zu bedienen. Nun, wenn man sich die Vorstrafen der Politiker dieser Partei oder ihr nahestehenden Personen ansieht, so liegt man wohl nicht so falsch.

https://rechtsdrall.com/2015/07/04/liste-rechtskraftig-und-nicht-rechtskraftig-verurteilter-fpo-politiker-stand-4-7-2015/

Niemand soll danach sagen, man habe nichts gewusst. Und nein, wir haben derzeit keinen Notstand.

NEID:
Wenn ich mir die Profile jener Schreier, Brüller und Fahnenschwenker näher ansehe, so sind es keine Geknechteten, sie posten unzählige Bilder von sich selbst, ihren getunten Autos, ihren tätowierten Körpern, ihren Hunden – Armut sieht anders aus. Weshalb dann dieser Rechtsruck? Ist es der kleinbürgerlicher Neid auf wesentlich Ärmere? Mag sein. Jede noch seine kleine Aktion, die man mit Flüchtlingen unternimmt und sei es nur ein Skitag – wird sofort mit Kommentaren wie: „Und was ist mit mir?“ eingeleitet.

OPPORTUNISMUS:
Ich habe in den letzten Jahren doch viele Opportunisten kennen gelernt, die sich drehen und wenden wie sie es gerade brauchen, wenn man sie mal erkannt hat, wirken sie geradezu peinlich und sie merken es gar nicht. Ich nenne sie die „Herrn und Frau Karls“.
Zurzeit laufen viele „Herr und Frau Karls“ durch die Gegend, analog wie digital – neid- wie hasserfüllt, bereit für jeden Rufmord, um sich durch ihre Lügen selbst zu bestätigen und sei es nur jemanden zu schaden, den man nicht mag. Man versteckt sich, tritt nur dann hervor, wenn man sich einen Vorteil erhofft.

MEINUNGSFREIHEIT
Der Umgangston ist rauer geworden … lassen wir uns davon nicht anstecken, aber werden wir nicht ängstlich, äußern wir uns laut. Als ich in meiner Sturm- und Drangzeit viele Leserbriefe verfasste, unterstellte man mir alles Mögliche, selten stand das Geschriebene im Mittelpunkt. Damit das Recht auf Meinungsfreiheit effektiv wird, muss es auch umgesetzt werden, das bloße Recht ist gar nichts. Eine Nichtinanspruchnahme der freien Meinungsäußerung ist gleichzeitig eine Aufgabe derselben.

Immer wieder hört man von sogenannten Medien-Experten, dass man nicht alles im Internet schreiben soll, es könnte ja dieser und jener lesen und man könne dadurch Nachteile erfahren etc. Solche Ratschläge erscheinen mir geradezu paradox, denn das Recht auf Meinungsfreiheit lebt nur durch deren Umsetzung, wer davon abrät, ist genau genommen ein Gegner davon. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demokratie bedingen einander.

NATIONALISMUS:
"Mir san mir" – ein beliebtes Statement von Nationalisten. Die Tiroler sind (leider) noch viel derber. Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz – das führt zu einem überhöhten Selbstwertgefühl. Trotzdem würde es nicht schaden, Österreich mal auf der Karte anzusehen, sowohl flächen- wie auch einwohnermäßig ist es ein winziges Land. Österreich wird es gegen die Mächtigen dieser Welt nicht schaffen. Die Konzerne haben dies schon erkannt und kontrollieren mächtige Finanzsummen. Es wird Zeit, dass es die Staaten den Konzernen gleich tun und wieder Oberhand gewinnen, anderenfalls werden sie gegeneinander ausgespielt, Verlierer ist das Volk.
Das funktioniert aber nicht mit einfältigem Nationalismus, da kann man noch so oft die Bier- mit der rot-weiß-roten Fahne schwenken, damit sind wir nicht gewappnet – nur lächerlich.

WAHL:
Die, die meinen eine Wahl wäre ein lustiges Spiel, ein Volksfest, und man bestrafe damit Politiker, indem man irgendwelche „Denkzettel“ austeilt, sollten bedenken, dass diese Denkzettel als allererstes sie selbst trifft. Fragt man nach, welche Änderungen herbei geführt werden sollen und wie sollen sie finanziert werden und wer soll davon betroffen sein, wie administriert man es, merken die "Denkzettelverteiler" sehr schnell, dass die Welt oftmals komplizierter ist, als sie es wahrhaben wollen.

UNTERGANGS-LUST:
Es gibt Leute, die sind ganz begeistert, wenn ein Sturm heranzieht, wenn ein Hochwasser stattfindet („gemma Hochwassa schaun“), wenn ein Unfall geschieht, ein junger Soldat sagte zu mir mal, es wäre spannend, wenn ein Krieg jetzt ausbricht. Ich weiß nicht, wie ich diese Leute beschreiben soll, Untergangs-Fans, Katastrophen-Kretins? Es gab Zeiten, da fuhr der Adel auch an die Front „Krieg schauen“. Ein ähnliches Gefühl überkommt mich hier.

Mit Demokratie aber spielt man nicht, man kann sie zwar sehr rasch ausschalten, aber das Einschalten ist verdammt schwierig.

Lambert Oitzinger

Nußdorf-Debant
Samstag, 21. Mai 2016

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